2026
Chorausflug zur Burg Vogelsang
Auf den Spuren der Geschichte: Musik, Erinnerung und Natur in der Eifel
Mit rund 60 Chormitgliedern und Angehörigen machten wir uns am 14. Juni auf den Weg in die Eifel, um den Internationalen Ort Vogelsang zu besuchen. Oberhalb der Urfttalsperre wurde dort ab 1934 von den Nationalsozialisten die sogenannte NS-Ordensburg Vogelsang erbaut. Ab 1936 diente sie als Schulungsstätte für den Nachwuchs des NSDAP-Führungskaders und war gleichzeitig ein beliebtes Ausflugsziel. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Gebäudekomplex von den britischen Streitkräften unter dem Namen „Camp Vogelsang“ als Kaserne genutzt. Als Teil des Nationalparks Eifel ist dieser Ort heute nicht nur ein Zeugnis der Vergangenheit, sondern auch ein Ort der Besinnung und des ökologischen wie historischen Lernens.
Die Themen Geschichte und Natur prägten auch unseren Ausflug. Zum Einstieg gab es historische und naturkundliche Führungen, bei denen auch alle, die schon einmal in Vogelsang waren, Neues erfuhren. Beim Weg durch die Anlage ist die zerstörerische Ideologie des Nationalsozialismus in der Architektur auf beklemmende Weise präsent und es war uns ein Anliegen, nach den Führungen mit dem Lied Kadosh der vielen Opfer dieser Herrschaft zu gedenken.
Nach der Stärkung beim Picknick wanderten wir nach Wollseifen, einem verlassenen Dorf, dessen Bewohner gleich zweimal vertrieben wurden. Nachdem sie im zweiten Weltkrieg vor den erbitterten Kämpfen um Vogelsang fliehen mussten, beanspruchten kurz nach Ihrer Rückkehr die belgischen Streitkräfte das Dorf als Übungsplatz für den Häuserkampf. Die Bewohner wurden zwangsgeräumt und mussten ihre Heimat nun für immer verlassen. In der dortigen Kapelle St. Rochus gedachten wir dieser wechselvollen Geschichte und stimmten mit „Die Gedanken sind frei“ ein Lied an, das uns mit den demokratischen und widerständigen Traditionen unserer Geschichte verbindet.
Es war ein bereichernder Tag mit guten Begegnungen und manch nachdenklichem Moment. Zwischen Führungen, Picknick und Wanderung durften wir wieder einmal erleben, dass das gemeinsame Singe und die gute Chorgemeinschaft uns stärken – besonders an Orten, die uns an die unheilvolle deutsche Geschichte und an unsere Verantwortung für die Zukunft erinnern.