Kurznavigation
zur Fotogalerie
zurück zu Hören & Sehen
Wir möchten uns bei allen Mitwirkenden, Sponsoren, Unterstützern und Gästen nochmals herzlich bedanken. Wir blicken stolz und zufrieden zurück auf unsere beiden großen Herbstkonzerte in der Rochuskirche in Zusammenarbeit mit dem Neuen Rheinischen Kammerorchester, dem orientalischen Nouruz Ensemble, den Solistinnen Karin Wöpking und Sabina Kauze sowie der RochusMusikschule. Werfen Sie gerne nochmal einen Blick in unser digitales Programmheft oder lesen Sie den Bericht im Kölner Stadtanzeiger. Herzlichen Dank an Peter Joester für die wunderschönen Fotos.
Im Mittelpunkt unsere großen Herbst-Konzerte stand das Oratorium „Stabat Mater“ des walisischen Komponisten Karl Jenkins, das seit seiner Uraufführung im Jahr 2008 international begeistert gefeiert wird. Das Werk schlägt Brücken zwischen dem traditionellen, hoch emotionalen Text „Stabat Mater“ aus dem 13. Jh., orientalischen Rhythmen und Melodien sowie freien Dichtungen aus verschiedenen Sprach- und Religionskreisen. Damit verbindet es in eindrucksvoller Weise Stilrichtungen der Klassik, Neuer Musik, Weltmusik und des Jazz.
Einige Stücke erinnern in ihrer Opulenz und Dichte an Filmmusik aus „Dune“ oder „Der Herr der Ringe“ und an die großen Chöre aus Orffs „Carmina Burana“. Dennoch bewahrt Jenkis eine ganz eigene tiefe Wahrhaftigkeit und kraftvolle Dramaturgie. In der Rochuskirche erklang das Oratorium in der großen Fassung mit vollem klassischem Symphonieorchester, einhundert Chorsängerinnen und Chorsängern sowie Solisten, orientalischem Orchester und vielen Schlagwerkern.
Begleitet wurde das Oratorium von zwei Stücken, die speziell für den RochusChor komponiert wurden und hier uraufgeführt werden. „Tigris und Euphrat“ in deutscher und arabischer Sprache vom irakischen Komponisten Bassem Hawar beschreibt die Entwicklung von Zeichen zu Buchstaben bis zu Sprache und Kultur als „Baumeister der Welt“ insgesamt. Das musikalische Material fußt auf mehreren tausend Jahre alten „Maqam-Skalen“, die in einen Dialog mit zeitgenössischen westlichen Klangfarben gebracht wurden.
Die zweite Uraufführung „Jaanipaev Uuejärve“ von Wilfried Kaets in deutscher und estnischer Sprache für großes Orchester und Chor wurde inspiriert von Kaets‘ wiederholten Studienreisen nach Estland und Lettland.
Kaets verarbeitete in der Komposition seine Eindrücke aus Natur, Kunst und sängerischer Kultur sowie deren politische Bedeutung während der russischen Okkupation Estlands. Seine Musik greift die Stimmung der traditionellen Dorffeste zur Sommersonnen-wende auf, auf denen singend um ein großes Feuer getanzt wird. Die zu hörende Volksmusik ist tief in der estnischen DNA verwurzelt und hat eine zentrale Bedeutung für deren Freiheitskampf, die „singende Revolution“.
Zum anderen inspirierte Kaets die starke Beziehung der Menschen zur Natur. Zu hören sind eigens in Estland aufgezeichnete Naturklänge und die Interpretation eines alten estnischen Volksliedes „Kaunimad“, dessen Aufführung durch 20.000 Sänger*innen trotz Verbot durch die russischen Besatzer ein bemerkenswerter Moment der Zivilcourage darstellt angesichts existentieller Bedrohung.